Im
Gegensatz dazu definiert die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Adoleszenz als die Periode des
Lebens zwischen 10 und 20 Jahren.
Sozio-kulturelles Phänomen
[Bearbeiten]
Die "Adoleszenz" ist auch ein kulturelles und
soziales
Phänomen und seine Definition wird folglich nicht ausschließlich an
körperliche Meilensteine gebunden. Die Zeit wird mit drastischen
Änderungen im Körper, zusammen mit Entwicklungen in der
Psyche
und in der akademischen oder berufsbildenden
Karriere
einer Person gekennzeichnet. Während dieser Periode des Lebens durchlaufen
die meisten Jugendlichen die körperlichen Stadien der Pubertät, die häufig
im Alter von 9 Jahren bis 13 Jahren beginnt. In der Altersgruppe der 13-18
Jährigen kommen dann oftmals erste
sexuelle Erfahrungen oder Interessen hinzu. Die meisten Kulturen sehen
jedoch die erwachsen-werdenden Kinder und Jugendlichen erst mit
unterschiedlichen Jahren als Erwachsene bzw. „Nicht-Mehr-Kinder“ an. So
sieht die
jüdische Tradition beispielsweise Dreizehnjährige als Mitglied der
Erwachensengemeinschaft – und dieser Übergang wird entsprechend gefeiert.
Natürlich gibt es auch eine
juristische
Alterdefinition, wann ein Jugendlicher sexuell reif (in Deutschland ab 14
Jahren) und auch als strafverantwortlich im Sinne der gerichtlichen
Mündigkeit (in Deutschland ab 14 Jahren) angesehen wird. Dieses alles
ist wie gesagt nicht nur kulturell bedingt unterschiedlich, sondern jeder
Mensch ist auch in seiner Entwicklung unterschiedlich vorangeschritten.
Während die Pubertät sich vorwiegend auf die körperliche Reife und das
Entdecken der Geschlechtlichkeit bezieht, bezieht die Adoleszenz auch
weiterhin die Entwicklung einer beruflichen und sozialen
Identität mit ein.
Reife im Körper führt zu einem Interesse an der
Sexualität und sexueller Betätigung. Dabei besteht die Gefahr, dass es zu
einer Jugendschwangerschaft kommt. Dies kann problematisch sein, da
Jugendliche möglicherweise (noch) nicht die notwendige Reife besitzen, mit
eigenen Kindern umzugehen, und sich außerdem in der Regel in der
schulischen oder beruflichen Ausbildung befinden, also auch finanziell
nicht selbst für die Bedürfnisse eines Kindes aufkommen können.
In diesem Alter gibt es auch eine größere
Wahrscheinlichkeit des
Drogen- oder
Alkoholmissbrauchs oder Geistesprobleme wie
Schizophrenie bzw.
Identitätsdiffusion und
Essstörungen und
depressiver Tiefstand. Die
emotionale
Instabilität unter einigen Jugendlichen verursacht manchmal auch
Jugendverbrechen, siehe z.B.
Fever (Roman), oder leichtsinniges Gruppenverhalten bis hin zu
Selbstmordgedanken.
Die
Rebellionsbereitschaft und der Veränderungswunsch von Adoleszenten (Sturm
und Drang) werden auch als ein wichtiger Faktor in vielen sozialen
Bewegungen für positive Veränderungen in der Welt gesehen. Der Weg,
letztlich auf eigenen Füßen zu stehen, sowohl finanziell als auch mit
allen Anforderungen beruflicher, sozialer und sexueller Art
zurechtzukommen, ist daher oftmals wenig gefestigt und krisenanfällig
(siehe auch
Logotherapie und
Psychoanalyse). In diesem Fall wird von einer Adoleszenzkrise
gesprochen.
Thema ist in dieser Zeitspanne oft auch der Auszug
des Kindes aus dem Elternhaus, das Verdienen des eigenen Geldes für den
Lebensunterhalt, die Trennung von der Mutter und die Rolle der Großväter
dabei, die Trennung aus der
Dualunion mit der Mutter bzw. dem Elternhaus zu vollziehen (sog.
Initiationsriten sind in alten Kulturen dafür bekannt). Die Suche nach
der Identität ist eines der Probleme, denen adoleszente Jugendliche häufig
gegenüberstehen.
In diesem Alter sind
Vorbilder
wie Sportler, Film und Fernseh-Schauspieler sehr populär, und Jugendliche
drücken häufig den Wunsch aus, so wie ihr gewähltes Vorbild zu sein. In
der Vergangenheit (und noch heute in einigen Kulturen) gab es die
Zeremonien des Erwachsensein feiern und gewöhnlich findet dieses
während der Adoleszenz statt.
- Hemlut Fend: Entwicklungspsychologie des
Jugendalters. Verl. für Sozialwiss., Wiesbaden 2005.
ISBN 3-8100-3904-7
- August Flammer, Francoise D. Alsaker:
Entwicklungspsychologie der Adoleszenz. Huber, Bern 2001.
ISBN 3-456-83572-8
- Werner Bohleber: Adoleszenz und Identität.
Klett-Cotta, Stuttgart 1996.
ISBN 3-608-91783-7
- Annette Streeck-Fischer: Adoleszenz - Bindung -
Destruktivität. Klett-Cotta, Stuttgart 2004.
ISBN 3-608-91082-4
- Robert Bly: Eisenhans. Droemer Knaur, München
1993, 2003.
ISBN 3-426-84017-0